Demokratische Bildungs- und Kulturpolitik
 
 

1. Die Wissenschafts- und Kultusminister des Bundes und der Länder werden aufgefordert, Bildung und Ausbildung für und durch die neuen Medien zur nationalen Priorität zu erheben und die entsprechenden europäischen Initiativen verstärkt aufzugreifen. Das Bildungssystem muss in die Lage versetzt werden, junge Menschen auf die Herausforderung der Informationsgesellschaft vorzubereiten und ihnen den sinnvollen Umgang mit den neuen Kommunikationsmedien zu ermöglichen. Es muss auch Umschulungs- und Fortbildungsmöglichkeiten für Berufstätige und Beschäftigungslose bereitstellen, die durch die technologische Modernisierung an den Rand gedrängt werden.
 
2. Die Wissenschafts- und Kulturminister des Bundes und der Länder werden aufgefordert, die bedarfsgerechte Ausstattung von Schulen, Volkshochschulen, Universitäten und Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung mit internetfähigen Computern zügig voranzutreiben und allen Bildungsinstitutionen unbeschränkten und kostenfreien Zugang zum Internet zur Verfügung zustellen.
 
3. Im Rahmen eines zeitgemäßen Universaldienstes sollen Bildungseinrichtungen, Rat- und Bürgerhäuser, kommunale Netzwerke und Netzwerke von Selbsthilfegruppen mit öffentlichen Terminals ausgestattet werden, in, denen Bürgerinnen und Bürger, die nicht im Besitz der notwendigen technischen Ausstattung sind, freien und kostengünstigen Zugang zu den neuen Kommunikationsmedien erhalten.
 
4. Es sollen, wie von der Europäischen Kommission gefordert und in den Vereinigten Staaten bereits erprobt, in Zusammenarbeit mit den Technologieanbietern Netz-Tage als Pilotprojekte gestartet werden, die alle gesellschaftlichen Gruppen mit den Potentialen der neuen Kommunikationsmedien vertraut machen. Dabei sind sozial schwache Gruppen und Minderheiten besonders zu fördern.
 
5. Öffentliche und private Bibliotheken sollen über das bestehende Maß hinaus zügig digitalisiert und miteinander vernetzt werden. Audio-visuelle Medien, individuelle Archive und öffentliche Datenbanken sollen schrittweise zu einer globalen, ortsungebundenen elektronischen Bibliothek zusammenwachsen. Die Deutsche Bibliothek soll als elektronische Depot- und Archivinstanz ausgestaltet werden. Die Servicefunktion der Universitäten bei der Informationssuche im weltweiten Netzwerk soll ausgebaut werden.
 
6. Die neuen Kommunikationsmedien sollen als Mittel genutzt werden, das nationale und europäische Kulturerbe dauerhaft zu bewahren und für alle zugänglich zu machen. Ziel ist die Einrichtung eines ortsungebundenen elektronischen Museums, das die erhöhte Speicher- und Archivierungskapazität der neuen Kommunikationsmedien für die Digitalisierung der Bestände nutzt und für informationelle Kontinuität sorgt.
 
7. Die Wissenschaften und die Einrichtungen der politischen Bildung sind aufgefordert, die Möglichkeiten der neuen Kommunikationsmedien zu nutzen, um die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung allen Interessierten kostengünstig zugänglich zu machen. Zugleich müssen sie Reflexionsinstanzen sein, um die Informationsgesellschaft "intelligenter" zu machen und sinnvolle Ordnungsstrukturen darin zu schaffen.


 
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